Wie kann man sich besser konzentrieren beim Lesen?

besser konzentrieren beim Lesen; Ein als Superheld verkleideter Mensch sitzt in der Fensteröffnung einer Art Burg und liest
Foto von "Road Trip with Raj" via Unsplash

Zusammenfassung: Um konzentriert zu lesen, ist es hilfreich, sich drei Sachen bewusst vorzunehmen: 1. Vor dem Lesen bewusst machen, dass du zügig und vorwärtsorientiert lesen willst; 2. immer mindestens einen Absatz zu Ende lesen; 3. Details erst am Ende klären.

Woran merkst du, dass deine Konzentration nachlässt? 

Kennst du das? Du hast eine halbe Seite oder mehr gelesen, und plötzlich merkst du, dass du gar nichts vom Text mitbekommen hast? Das ist ein typisches Beispiel für mangelnde Konzentration. 

Was macht man dann notgedrungen? Klar, man liest die Passage noch einmal. Man muss also im Text zurückspringen und eine eben gelesene Passage noch einmal lesen. Das ist nicht besonders effizient und wenn du Pech hast, kriegst du beim zweiten Mal nicht viel mehr mit.  

Wieso passiert dir das sogar, wenn du das Thema interessant findest?

Ganz grob gesagt hat das mit zu langsamem Lesen zu tun. Wenn wir langsam lesen, ist die Menge an Informationen, die wir unserem Gehirn zur Verarbeitung zur Verfügung stellen zu klein, um das Gehirn auszulasten. Deshalb sucht es sich eine andere Beschäftigung – es schweift ab.

Das passiert durchaus auch bei Texten, die interessant sind, denn sobald du dir eigene Gedanken dazu machst, bist du nicht mehr dicht am Text, sondern mit deinen Gedanken beschäftigt und bekommst nicht mehr mit, was du liest. 

Die Lösung für bessere Konzentration beim Lesen

… ist überraschend einfach. Du musst schneller lesen! Dazu gibt es spezielle Techniken, auf die ich hier gar nicht weiter eingehen möchte. (Wenn es dich interessiert, schau mal in die weiterführenden Infos unter dem Beitrag.) Hier möchte ich dir vielmehr Tipps geben, die du auch ohne ein spezielles Lesetraining umsetzen kannst. 

Um schneller Lesen zu können, musst du wissen, was dich bisher hindert, vorwärtsorientiert zu lesen: das unabsichtliche Zurückspringen im Text. Ohne es zu merken, springen die meisten ständig im Text zurück und unterbrechen so den eigenen Lesefluss. Das ist eine schlechte Angewohnheit, die die meisten wahrscheinlich noch aus der Zeit haben, als sie Lesen gelernt haben. Das Fiese daran ist: man bekommt es nicht mit! 

Wie kann ich aber etwas abstellen, das ich gar nicht bemerke? Das geht gut, wenn du dich vor dem Lesen innerlich vorbereitest und dir bewusst machst, dass du zügig und vorwärtsorientiert lesen willst. Es ist eine Art mentales Training, wie man es auch aus dem Sport kennt. Die Lösung ist also auch bewusstes Lesen.

Zwei gute Tipps für einen besseren Lesefluss

Ein sehr simpler, aber gut funktionierender Trick ist es, sich zu zwingen immer mindestens einen Absatz zu Ende zu lesen. Je nachdem, wie der Text gestaltet ist, kann es auch sinnvoll sein, sich eine größere Mindesteinheit vorzunehmen. Wichtig ist: Du liest eine Einheit bewusst zügig und vorwärtsorientiert, bleibst dabei dicht am Text dran, ohne schon in die Interpretation oder Bewertung zu gehen, und machst am Ende deiner Einheit eine Mikropause. 

Erst dann einmal tief durchatmen und kurz reflektieren: Was habe ich verstanden? Und dann die nächste Einheit lesen, wieder bewusst mit hohem Tempo. Kurz reflektieren usw.

Der zweite Tipp hat ebenfalls mit deiner inneren Haltung beim Lesen zu tun. Wieder ist deine bewusste Entscheidung für effizientes Lesen gefragt. Wir haben beim Lesen häufig die Tendenz, uns zu früh mit Details zu beschäftigen, besonders wenn wir sie nicht auf Anhieb verstehen. 

Deshalb ist der zweite Tipp, sich bewusst dafür zu entscheiden, nicht hängenzubleiben, sondern weiterzulesen, wenn du auf solche Details stößt. 

Ein Beispiel: Häufig werden Fachbegriffe zu Beginn eines Absatzes neu eingeführt, aber erst weiter unten erläutert. Wenn du gleich zu Beginn an dem neuen Begriff hängenbleibst, ihn womöglich nachschlägst, bringst du dich selbst aus dem Lesefluss. Dadurch werden deine Konzentration und dein Verständnis schlechter. Und es kostet viel Zeit, die du dir hättest sparen können, wenn du einfach weitergelesen hättest.

Lies also mindestens einen Absatz zu Ende. Wenn du dann immer noch das Bedürfnis hast, einen Begriff nachzuschlagen, tue es. Häufig wirst du aber merken, dass sich deine Frage schon erledigt hat oder dass du dieses Detail nicht brauchst, um den Text zu verstehen und es daher nicht nötig ist, es nachzuschlagen (außer du willst). 

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren!

Fragen für dich:

  • Was schätzt du: Wieviel Prozent von dem, was du liest, verstehst du gleich nach dem ersten Lesen? (Du kannst das übrigens hier testen, wenn du Lust hast: https://www.improved-reading.de/lesetest.)
  • Welche Tricks helfen dir, wenn du bemerkst, dass deine Aufmerksamkeit abschweift?

Nutze die Fragen für dich selbst zum Reflektieren oder erzähle davon in den Kommentaren. Ich bin neugierig, wie du mit den Tipps zurechtkommst!

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Autorin des heutigen Effizienztipps:

Ulrike Heiß ist Expertin für Selbstorganisation, gibt Tipps zur Selbststeuerung und dazu wie man Kontrolle über Projekte und Aufgaben gewinnt. Sie teilt Wissen zum effizienten Umgang mit E-Mails, zeigt, wie der Schreibtisch leer wird, und bringt ab und an ein bisschen „Nerdkram“ ein. Ihr Seminar Zeit fürs Wesentliche findest du hier

Ulrike Heiß

Weiterführende Infos

  1. Zum Thema effizientes Lesen haben wir natürlich als Experten eine Fülle von Tipps für dich. Ein guter Start ist das Buch des Grandseigneur von  Improved Reading, Wolfgang Schmitz. Es ist im Rowohlt Verlag erschienen und hier zu finden: https://www.rowohlt.de/buch/wolfgang-schmitz-schneller-lesen-besser-verstehen-9783499630453.
  2. Wenn du nicht autodidaktisch veranlagt bist, sondern lieber unter Anleitung lernst, empfehlen wir dir den Kurs Speed Reading Online als digitale Variante oder das Training Improved Reading in Präsenz. Bei beiden bekommst du Unterstützung durch erfahrene Trainer, die Wolfgang Schmitz selbst ausgebildet hat.
  3. Hinweis für Eltern: Die obigen Tipps eignen sich auch für Schülerinnen und Schüler spätestens ab dem Teenager-Alter. Die bekommen in der Schule häufig gesagt, sie sollten „gründlich“ lesen, was für die meisten gleichbedeutend ist mit „langsam“. Das langsame Lesen erschwert aber die Konzentration und das Textverständnis.  Deshalb lieber zügig einen ganzen Absatz lesen, kurz überlegen, was drin stand, vielleicht ein Stichwort notieren und weiterlesen. Die Unterteilung in „Lesehappen“ spornt auch mehr an!
Ulrike Heiß

Ulrike Heiß

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