Texte besser verstehen: 4 Ideen für richtige Fragen!
Effizienztipp: Wenn du Texte besser verstehen willst, ist es gut sinnvolle Fragen zu stellen, noch bevor du einen Text liest. Wenn du Schwierigkeiten damit hast, vor dem Lesen eines Textes konkrete Fragen zu formulieren, dann orientiere dich an Fragetypen, Systematiken, Textstrukturen oder Aufgabenstellungen.
In früheren Effizienztipps haben wir dir bereits nahegebracht, wie hilfreich es ist, sich vor dem Lesen aktiv mit dem Inhalt eines Textes zu beschäftigen. Das unterstützt dich dabei, Texte besser zu verstehen. Die drei wesentlichen Aspekte dafür sind:
- Zielbewusstsein schaffen
- Systematische Vorausschau durchführen
- Konkrete Fragen an den Text formulieren
Diese drei Schritte vor dem Lesen bewusst, systematisch und konsequent durchgeführt, sparen dir Zeit, erhöhen deine Konzentration und erleichtern das Verstehen. Das Schaffen von Zielbewusstsein und das Durchführen der Vorausschau sind einfach umzusetzen. Schwieriger kann es sein, bereits vor dem Lesen konkrete Fragen an einen Text zu formulieren. Denn im Grunde bedeutet diese Empfehlung ja, dass du dir klar machen solltest, welche Inhalte für dich relevant sind, bevor du den Text überhaupt gelesen hast.
Daher möchte ich dir heute ein paar Hilfestellungen geben, wie du zu solchen Fragen kommst.
Wichtige Grundvoraussetzung, um Texte besser zu verstehen ist ..
Dein Ziel muss dir bewusst sein, und du musst die Vorausschau gemacht haben.
In den meisten Fällen entstehen die Fragen dann ganz von allein.
Solltest du aber Probleme haben, dich auf konkrete Fragen zu besinnen (z.B. bei geringen Vorkenntnissen zu einem Thema), dann kannst du dich an folgenden vier Aspekten orientieren:
1. Welche Art von Fragen hast du?
Hierfür hat der Kognitionswissenschaftler Johannes Haack eine Fragentypologie erstellt, welche hilft, dir bewusst zu machen, nach welcher Art der Informationen du suchst. Interessieren dich:
- Faktenfragen? (Wie heißt…? Wie wird … definiert? Zu welchem Datum…? Wie oft…?)
- Vergleichsfragen? (Welche Unterschiede…? Pro-Contra? Ranking?)
- Transferfragen? (Wie kann die Regel … angewendet werden? Welchen Nutzen hat …?)
- Kreative Fragen? (Können Innovationen abgeleitet werden? Ist eine Analogie möglich?)
2. Kannst du dich dem Text über systematische Fragen nähern?
Wenn du den einen Text liest, um z.B. darauf aufbauend Aufträge zu erledigen, dann hast du dir wahrscheinlich eine gewisse Systematik angeeignet, mit der du solche Aufgaben meisterst. Daraus lassen sich auch systematische Fragen an einen Text ableiten.
Die vielleicht bekannteste Fragensystematik sind die 6W´s des Journalismus, nach denen du dich z.B. Arbeitsaufträgen nähern kannst, um einen Text besser zu verstehen.
- Wer ist zuständig?
- Wann muss die Aufgabe erledigt sein?
- Was gilt es zu tun?
- Wie ist die Aufgabe zu erfüllen?
- Wo (physischer Ort/spez. Software…) muss es getan werden?
- Warum ist dies (von mir) zu tun
3. Kannst du Fragen aus der Grundstruktur des Textes ableiten?
Häufig besitzen Texte in deinem Arbeitskontext eine gewisse Grundstruktur. So sind juristische Texte wie Urteile, Gutachten oder Erwägungsgründe in der Regel nach festen Mustern aufgebaut. Auch Protokolle, Tickets, Anträge, oder Arbeitsaufträge werden innerhalb von Organisationen häufig in standardisierter Form erstellt. Daraus kannst du z.B. ableiten, mit welchem Aspekt du dich zuerst beschäftigen solltest.
Selbst wenn solche Textstrukturen manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, so zeigen sich häufig in bestimmten Bereichen wiederkehrende Muster. So widmen sich z.B. hochkomplexe wissenschaftliche Paper in fast allen Fachbereichen den folgenden vier Grundaspekten:
- Worum dreht sich die Fragestellung? (Forschungsinteresse)
- Warum lohnt es dieses Problem/Phänomen zu untersuchen? (Theorie)
- Wie soll die Forschungsfrage überprüft werden? (Methodik)
- Was ist das Ergebnis? (Erkenntnis)
4. Kannst du Fragen aus Aufgabenstellungen ableiten?
Wenn du einen Text anhand vorgegebener Aufgabenstellungen bearbeitest, dann kannst du natürlich auch daraus Fragen ableiten. Ist der Auftrag aber eher unkonkret, dann versuch dir allgemeine Rahmenbedingungen zu vergegenwärtigen. Angestellte können sich evtl. an Zielvereinbarungen oder Vorschriften orientieren. Für Lernende lohnt es immer, die Lernziele (z.B. aus „Modulbeschreibungen“ im Studium) im Blick zu behalten.
Du musst nicht alles wissen!
Egal an was du dich schlussendlich orientierst, vergiss nicht: weder musst du alles wissen noch kannst du alles wissen! All diese Hilfestellungen haben nicht zum Ziel, dass du hinterher eine Antwort auf jede denkbare Frage hast. Es geht darum herauszufinden, welche Fragen sich zu stellen lohnen.
Wenn du dich einem Text z.B. systematisch näherst, und feststellst, dass du für eine Aufgabe nicht zuständig bist, dann bist du fertig. Dann interessieren dich die Antworten auf die anderen möglichen Fragen nicht mehr. Dann hast du Zeit, dich wichtigeren Dingen zuzuwenden.
Genieß diese Zeit!
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Wenn du hier noch Ideen brauchst, dann schaue dir diese Effizienztipps an.
Fragen an dich:
- Sind die Texte, mit denen du zu tun hast, häufig gleich aufgebaut?
- Näherst du dich deinen Arbeitsaufträgen systematisch?
- Was interessiert dich eigentlich immer, wenn du beruflich Texte liest?
Viel Erfolg bei der Umsetzung!
Stephan Zimmermann
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Autor des heutigen Effizienztipps:
Stephan Zimmermann ist unser Trainer und Experte für professionellen Umgang mit Texten mit Deep Reading digital und effizientes Lesen mit der Improved-Reading-Technik (auch gerne online).